Dr. Aloys Schmitt Konzert 16. Juni 2013

Beeindruckendes Geburtstagsgeschenk für Aloys Schmitt und alle Musikfreunde

Glanzlicht der Kirchenmusik begeisterte die Besucher in Erlenbachs St.Peter und Paul

Erlenbach. „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ lautet einer der schönstens Sätze von Karl Valentin. Dass er bis heute stimmt, bewiesen am Sonntagnachmittag gut 50 Sängerinnen und Sänger des Gemischten Chors Erlenbach und vier Solisten, etwa 40 Musiker der Jungen Philharmonie und des Hermann-Staudinger-Gymnasiums unter der engagierten und sensiblen Leitung von Bernhard Wehle. Sie zelebrierten im sehr gut besetzten großen Kirchenschiff die „Zweite Messe“ des Komponisten Aloys Schmitt, der im 19.Jahrhundert als Lehrer in Erlenbach und in Obernburg tätig war und inzwischen glücklicherweise auch als Komponist mit großen Qualitäten wiederentdeckt worden ist.

Dieser Ruhm wird sich sicher noch mehren, nachdem in St.Peter und Paul selbst kritische Musikfreunde erkennen durften, dass Schmitts Musik alle Anstrengungen zu seiner Neu- und Wiederentdeckung wert ist. Kurt Wehle, der Bruder des musikalischen Leiters des Projektes, hat in aufwändiger und kenntnisreicher Arbeit die Partitur rekonstruiert und die Orchester- und Chorstimmen angefertigt. Und alle Mühe hat sich gelohnt, vor allem deshalb, weil die Akteure in der Erlenbacher Kirche am Sonntag eine geschlossene, rundum harmonische Gesamtleistung boten und Aloys Schmitt zu seinem 225.Geburtstag damit ein genau so schlüssiges Geschenk gemacht haben wie seiner Geburtsstadt Erlenbach.

Die Besonderheit der knapp 40-minütigen Messe: Schmitt hat ein Werk mit beeindruckender instrumentaler und sängerischer Qualität, mit großen Dynamik- und Tempowechseln und mit anspruchsvollen Übergängen zwischen den Tonarten geschrieben, das nicht auf vordergründige Effekte setzt, sondern auf feine, nuancierte Stimmungen. Exaltierte Ausbrüche finden sich in diesem Werk des Komponisten nicht, der nicht zu Unrecht in die Biedermeierzeit eingeordnet wird, auch überzogenes Pathos muss niemand befürchten. So ganz nebenbei also eine späte Ehrenrettung des Biedermeier, einer Epoche, die in der Literatur, aber auch in der Musik oft nicht angemessen gewürdigt wird. Seit Sonntag sollte das anders sein.

Es begann schon im Kyrie, in dem der Bariton Rüdiger Leibold mit seiner klaren, reinen Stimme in den Dialog mit dem Chor trat, mit einem Chor, der an diesem Sonntag von der ersten bis zur letzten Minute durch Geschlossenheit, saubere Einsätze und überzeugende Dynamikwechsel gefiel. Jubel, wenn auch fast mit „gebremstem Schaum“, beim Gloria, bei dem Tenor Bernhard Oberländer glänzen konnte und Trompeten und Posaunen den dynamischen Schlusspunkt setzten. Alle vier Solisten, auch Andrea Schäfer, Alt, und Tamara Bracharz, Sopran, kosteten zusammen mit dem Chor alle Facetten des Credo intensiv aus, bis hin zum strahlenden Jubel im abschließenden „Amen“. Es folgte ein schöner Ruhepunkt: die Interpretation des Benedictus durch den Bariton, auf der Geige einfühlsam begleitet von Nikolas Oberle mit der Violine, bevor in intensiver, dichter Atmosphäre das Agnus Dei den Schlusspunkt setzte und in ein helles „Dona nobis pacem“ voller Mut und Zuversicht mündete.

Eine glänzende Idee Wehles: In die relativ kurze Messe vier religiöse „Lieder und Gesänge“ von Aloys Schmitt einzubauen, die den Kunstgenuss, aber auch das musikalische Gotteslob ideal abrundeten. Alle vier Solisten konnten hier noch einmal beweisen, dass sie nicht nur gemeinsam mit dem überzeugenden Chor eine harmonische Einheit bilden, sondern auch anspruchsvolle Sätze schlüssig interpretieren können – immer einfühlsam am Klavier von Michael Ebert begleitet. Harmonisch und intensiv gestaltete Rüdiger Leibold das „Gebet“ aus, facettenreich siedelte Bernhard Oberländer das „Das Leben ein Traum“ tatsächlich im Raum zwischen Traum und Realität an, sehr gefühlvoll, aber ohne jedes falsche Pathos beeindruckte die Altistin Andrea Schäfer mit ihrer warmen, klaren Interpretation des „Seufzer“. Und die Art, wie die Sopranistin Tamara Bracharz die „Ermutigung“ sang, ließ die Zuhörer getröstet mitfühlen, wenn Schmitt mit den Zeílen endet: „Gieb hin dein Bangen, gieb dein Sorgen“.

Am Ende gab es zu Recht minutenlangen Beifall für eine Leistung, über die sich sicher auch Aloys Schmitt gefreut hätte. Für Musikfreunde kann man nur hoffen, dass es nicht bei dieser einen Aufführung bleibt. Der Aufwand, die Musik und die Leistung aller Akteure rufen geradezu nach weiteren Konzerten.

 Im Chor von St.Peter und Paul begeisterten der Gemischte Chor und die Junge Philharmonie

unter der Leitung von Bernhard Wehle.

57

  Die vier Solisten überzeugten auch im harmonischen Zusammenspiel mit dem Chor, v.l.n.r. Bernhard Oberländer, Andrea Schäfer, Tamara Bracharz, Rüdiger Leibold, rechts mit der Violine Nikolas Oberle.

58

Bernhard Wehle dirigierte den Gemischten Chor und die Junge Philharmonie Erlenbach in gewohnter Souveränität und Einfühlsamkeit.

59

60

61

 

Text und Fotos von Dr. Heinz Linduschka


Chor Newsletter

Bleiben Sie aktuell informiert!

Inhalt abgleichen


Benutzeranmeldung