Monteverdi Konzert 2008

Morgenstimmung, in der kranke Herzen genesen


Gemischter Chor Erlenbach: 60-jähriges Bestehen mit Werken von Claudio Monteverdi in der Frankenhalle gefeiert


Erlenbach Claudio Monteverdi war der gefeiertste italienische Musiker seiner Zeit und eine Lichtgestalt unter den bedeutendsten Komponisten des 16. und 17. Jahrhunderts. Bernhard Wehle stellte ihn in den Mittelpunkt des Jubiläums 60 Jahre Gemischter Chor Erlenbach. Mit einem musikalischen Festakt wurde in der Frankenhalle eindrucksvoll gefeiert. Der angesehene Schulmusiker, Dirigent und Solotenor liebt Experimente und wusste, worauf er sich einließ. Er steht dazu dem Jubilar seit 18 Jahren vor und hat zu dessen Ansehen mit zahlreichen Aufführungen berühmter Chorwerke beigetragen. Monteverdi war nicht nur ein großartiger barocker Opernkomponist, sondern schrieb auch bezaubernde Madrigale, Schäfer- und Liebeslieder, die bis heute von ihrer Faszination noch nichts verloren haben.


 Mit Claudio Monteverdi feierte der Gemischte Chor Erlenbach in einem musikalischen Festakt in der Frankenhalle das 60-jährige Bestehen.


 


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Monteverdi Konzert Foto: Jörg Barth


 


Der 55-köpfige, weitgehend homogene Klangkörper verstand sich im Umgang mit der anspruchsvollen Polyphonie unter der souveränen Leitung seines Dirigenten, der dazu seine Tenorsoli mit dem warmen, anschmiegsamen Sopran von Annettte Wohmann in zahlreichen Duetten überzeugend zum Ausdruck brachte. Ein vorzügliches Streichquintett begleitete außerdem Chor und Gesangssolisten.

Auch dem aus Cremona gebürtigen venezianischen Großmeister ging es in seinen Tondichtungen um Liebe, Leidenschaft, Krieg, Sterben und Frieden. Horst Striegel rezitierte einfühlend alle Liedtexte auf Italienisch und Deutsch, was zum guten Verständnis der Perlen italienischer Tonkunst führte. Monteverdi lässt den Liebenden beispielsweise mit den Worten aufbegehren: "Ohne dich, meine Sonne, führt mich mein Weg nur von Qual zu Qual." Zu seinen lyrischen Vorlagen gehört jene Morgenstimmung, in der jedes kranke Herz genesen muss, wenn die Welle murmelt und das Laub vor Erwartung zittert. Schon damals schnitzte der Geliebte den Namen seiner Auserwählten in die Rinde des Baumes. So sang der Chor mit viel Gespür für die Texte und das Notenbild Madrigale, wie "Sovra tenere herbette", "Ah dolente partita!", wo es um den schmerzvollen Abschied, den Tod oder "Cor mio, Mentre vi miro", ewige Treue und Zuneigung, geht. Bei dem Duett "Piagn`e sospira" (Weint und seufzt) vereinen sich Annette Wohmann und Bernhard Wehle zu einem innigen, gefühlsstarken Duett.

Die Solostreicher ergehen sich kunstvoll in elegischen, getragenen Passagen des "Rimanti in pace" voller barocker Schönheit. Im Schlusschor "Ecco mormorar l`onde" zeigt sich der überaus rüstige Jubilar erneut von seiner besten Seite, stimmlich und ausdrucksmäßig. Monteverdi ist eben mehr nur als ein Erlebnis.


Main Echo: Wolfgang Tulaszewski


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